Die Entdeckung der Currywurst/Ein Brief vom Ich-Erzähler an Edith

 München                                                                                    18.10.2005

Hallo Edith,

 ich habe mitbekommen, dass deine Mutter Lena Brücker verstorben ist. Ich habe tiefstes Mitgefühl mit dir, den auch ich hatte sehr guten Kontakt zu ihr. Ich möchte dir diesen Brief schreiben, da ich meine Erlebnisse, die ich mit ihr hatte mit dir teilen möchte und da es mir wirklich sehr wichtig ist. Ich bin übrigends ein Mann aus München. Ich bin verheiratet und habe Kinder. Früher wohnte ich im selben Viertel wie deine Mutter und aß jeden Tag eine Currywurst bei ihr an der Imbissbude. Eine Currywurst von Frau Brücker war für mich der Inbegriff von Heimat und Kindheit. Vor etlichen Jahren habe ich mir die Frage: Wie hat sie die Currywurst entdeckt? gestellt. Deswegen habe ich mich vor zwei Jahren nochmal auf die Suche nach ihr gemacht um sich der Frage auf den Grund zu gehen und um sich selbstverständlich noch einmal zu sehen. Ich fand sie im Altersheim in Hamburg/Harburg wieder. Sie hatte schon sehr graue Haare und erblindete aber trotzdessen erkannte sie mich. Sie erzählte mir, dass ihr leider kein Kontakt mehr zu einander hattet. Aber ich kann dir sagen, dass sie eine tolle Frau ist, die sehr lebensfreudig ist und einen wachen Geist hat. Sie erzählte mir eine wirklich lange Geschichte, obwohl ich nur eine Antwort auf meine Frage wollte. Die Geschichte begann Ende April 1945 in Hamburg mit Hitlers Trauung und Selbstmord. Sie lernte einen Mann namens Herman Bremer, der eigentlich in Oslo die Seekartenkammer leitet, aber jetzt zum Verteidigungseinsatz in Hamburg eingeteilt worden ist. Sie nahm den fahnenflüchtigen Soldaten mit in ihre Wohnung. Sie lernten sich in dieser Zeit immer besser kennen. Deine Mutter verliebte sich etwas in ihn. Er wurde von einem Block-und Luftschutzwart gesucht, doch Lena löste die Situation geschickt. Am 4. Mai kapitulierte Hamburg und der Krieg sei vorbei. Lena erzählte dies Bremer aber nicht, da sie ihn unbedingt bei sich behalten möchte. Doch Bremer fand dies später raus und verschwand ohne ein Wort zu sagen. Sie erzählte mir, dass es ihr das Herz gebrochen hat. Ich fühlte echt mit bei dir Geschichte und erhoffte dabei auf ein gutes Ende. Etwas später tauschte sie Gegenstände ein um sich eine Imbissbude zu bauen, um Currywurst zu verkaufen, die sie zufällig durch einen Sturz erfand. Damit hätte ich echt nicht gerechnet. Ich hoffe ihr ich konnte dir nochmal etwas über deine Mutter berichten. Sie hatte ein wirklich abenteuerliches Leben mit Höhen und Tiefen. Deine Mutter hat beim Erzählen der wunderbaren Geschichte einen Pullover gestrickt, den sie mir vor ihrem Tod schenkte. Ich möchte ihn dir schenken und ich wünsche dir noch viel Gesundheit und ich hoffe wir bleiben in Kontakt.

Dein Ich-Erzähler

19.12.15 22:34, kommentieren

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Die Entdeckung der Currywurst-Infos zur Geschichte(Historischer Hintergrund)

Die Novelle ''Die Entdeckung der Currywurst'' von Uwe Timm aus dem Jahre 1993  spielt sich in den letzten Kriegstagen ab dem 29. April 1945 in Hamburg  ab.Somit war es in der Zeit des zweiten Weltkrieges, der durch einen Angriff von Deutschland auf Polen am 1. September 1939 begann und bis 1945 andauerte. Die Hansestadt Hamburg an der Elbe war zur Zeit der Nationalsozialisten ein wichtiger Standort, da sie den zweiten Weltkrieg ausgelöst haben.Durch schwere Bombardierungen amerikanischer und britischer Flugzeugverbände im Juli und August 1943, der Operation Gomorrha, wurden geschätzte 40 bis 50.000 Menschen getötet und rund ein Drittel aller Wohngebäude zerstört. Etwa 125.000 Hamburger wurden verletzt, 900.000 obdachlos. Bis Kriegsende haben bei 213 Luftangriffen ca. 17.000 Flugzeuge etwa 101.000 Sprengbomben und 1,6 Mio. Brandbomben auf die Stadt abgeworfen.Lena Brücker, die Hautfigur aus der Novelle, überlebte diese Bombenangriffe und hatte schwerstens mit sich und ihren fahnenflüchtigen Soldaten Hermann Bremer zu kämpfen.Sie lebten die meiste Zeit in der Wohnung von Lena, wo sie geschützt war. Allerdings heute Bremer mit seinem Leben zu kämpfen, da er von einem Block-und Luftschutzwart verfolgt wurde.Als die Alliierten im Westen bei Aachen und im Osten mit Ostpreußen erstmals das Reichsgebiet betreten haben, laufen in Hamburg die Vorbereitungen für den Kampf um die Stadt mit Panzern und Infanterie.Seit dem 20. April wurden die Hamburger Außenbezirke gelengtlich von britischer Artillerie beschossen.Seit diesem Tag hatte in Hamburg Generalmajor Alwin Wolz den Oberbefehl. Dessen Befehlsstand war, dass er festentschlossen war Hamburg nicht mehr sinnlos zu opfern.Am 1. Mai 1945 kamen zwei wichtige Meldungen nach Hamburg. Der Reichskanzler Adolf Hitler ist tot und Hamburg wird kampflos an England übergeben. Die erste Meldung erzählte Lena Bremer, wobei sie jedoch die zweite Meldung für sich behält, da sie ihn nicht verlieren möchte.Erst am 3. Mai 1945 ist der Krieg für die Hamburger ausgestanden, als Generalmajor Wolz gegen halb sieben vor dem Rathaus die Stadt kampflos an den britschen General Spurling abgegeben hat – die Wehrmacht hat endlich vor den Alliierten kapituliert. Hamburg war in der Hand der Briten. Hamburg wurde 1949 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.

1 Kommentar 13.12.15 16:10, kommentieren